this post was submitted on 30 Aug 2026
107 points (100.0% liked)

DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz

5563 readers
531 users here now

Das Sammelbecken auf feddit.org für alle Deutschsprechenden aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und die zwei Belgier. Außerdem natürlich alle anderen deutschprechenden Länderteile der Welt.

Für länderspezifische Themen könnt ihr euch in folgenden Communities austauschen:

___

Zusätzliche Regeln aus „Lessons learned":

___

Einsteigertipps für Neue gibt es hier.
___

Eine ausführliche Sidebar mit den Serverregeln usw. findet ihr auf der Startseite von feddit.org

___

founded 2 years ago
MODERATORS
you are viewing a single comment's thread
view the rest of the comments
[–] Aufgehtsabgehts@feddit.org 5 points 6 days ago (1 children)

Kann jemand den Unterschied zwischen netzbildenden und netzfolgenden Wechselrichtern einfach erklären? Ich hatte mal gehört, dass das noch eins der ungelösten Probleme bei so viel Batterienutzung ist. Da müssen wohl noch ein paar kluge Elektroingenieure ran.

[–] Imke@feddit.org 11 points 6 days ago* (last edited 5 days ago) (2 children)

Netzfolgende Wechselrichter können die Netzfrequenz von um die 50 Hz nicht selbstständig erzeugen. Sie folgen/synchronisieren sich mit der vorhandenen Netzfrequenz. Wenn dann mal Stromausfall ist, fallen diese Wechselrichter auch aus und können danach auch das Netz nicht von selbst wieder aufbauen oder stabisieren schalten erst wieder ein, wenn die Netzfrequenz wieder erreicht ist (zum Beispiel die meisten Balkonkraftwerkswechselrichter ohne Akku). Netzbildende Wechselrichter können sich Netzfrequenz selbst ausrichten und somit Inselnetze erzeugen oder das Netz gemeinsam mit anderen netzbildnenden Generatoren im Netz nach einem Ausfall wieder aufbauen. Klassisch gesehen drehen sich in herkömmlichen Kraftwerken die Generatoren (teilweise auch bei Windkraftanlagen) mit 50 Hz, so kommt auch die Netzfrequenz zustande. Es gibt aber auch Netzbildende Wechselrichter für PV-Anlagen, diese sind auch inzwischen weitverbreitet (ein großer Teil der privat verbauten Hybridwechwechselrichter, also mit Akku kombiniert.). Wenn der Strom zuhause aufällt, kann die privaten inselfähige PV-Anlage sich automatisch vom Netz trennen (zur Sicherheit, falls das Netz z.B. extra für Arbeiten daran zeitweise abgeschaltet wurde oder allg. zur Wiederherstellung daran gearbeitet wird) und im Hausnetz die 50 Hz bereitstellen. Quasi alle modernen Heim-PV-Anlagen (da heutzutage fast immer mit Akku kombiniert), die über ein Stecker-Kraftwerk hinausgehen, können das. Ich kenne natürlich nicht alle Modelle, aber z. B. die gängigen SMA-Hybridwechselrichter, die in meiner Firma verbaut wurden waren inselfähig, das war auch von fast allen KundInnen auch so gewünscht, die Funktion wird ja quasi mit dem klassischen System sowieso mitgeliefert. Da diese Anlagen bei Stromausfall "die Hausinsel" vorschriftsgemäß vom öffentlichen Netz trennen müssen, können sie dem öffentlichen Netz derzeit auch nicht helfen, sich nach einem Ausfall wieder aufzubauen. Technisch ist das aber problemlos möglich. Da die meisten Freiflächen PV-Anlage Volleinspeiser sind, also eine Inselssystembereitstellung nach derzeitigen privatwirtschaftlichen Gegebenheiten keinen Sinn macht (schon gar nicht ohne Akku), sind netzbildende Wechselrichter da soweit ich weiß noch kein Thema. Die Übertragungsnetzbetreiber haben da aber einen sehr guten Überblick, wo wie viele Netzbildner vorhanden sind und wie viele notwendig sind und werden falls nötig eingreifen oder eben bei Neuanschlüssen Vorgaben machen, das kommt für große PV-Ankagen bestimmt noch, je mehr konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden. Für große Akkus gilt theoretisch das gleiche, die hängen ja auch an einem WR. Hattest du denn eine Begründung in deiner Quelle, warum das alles ein Problem werden sollte? Also wenn der Speicherausbau unreguliert passieren sollte, kann ich mir das schon vorstellen, aber das ist glaube in D eher unwahrscheinlich.

[–] Aufgehtsabgehts@feddit.org 3 points 5 days ago (1 children)

Danke für die Erklärung! Auf das Thema bin ich durch den Stromausfall in Spanien aufmerksam geworden. Nach weiterem Suchen bin ich immer öfter darüber gestolpert, dass das wohl gar kein so leichtes Thema ist und dass da noch geforscht werden muss - hier sind weiter unten einige Projekte aufgelistet, die sich damit befassen. Aber 100% verstanden habe ich das nie, Elektrotechnik ist nicht meine Stärke.

Und solche Themen finde ich insgesamt spannend. Ein anderes Beispiel: Die Bahn hat/hatte lange das Problem, nicht 100% garantieren zu können, dass ein Zug einen Bereich verlassen hat und vollständig ist - also keinen Wagen verloren hat. Das klingt so einfach und trotzdem gab es da lange keine praktikable Lösung für.

[–] Imke@feddit.org 3 points 5 days ago

Danke für den Link! Wenn ich es also richtig verstehe, ist das technisch machbar, aber ein Henne-Ei Problem, da die Netzbetreiber ihre Anforderung erst an vorhandene Technik stellen, diese ohne Nachfrage aber nicht hergestellt wird. Die Nachfrage wiederum scheitert an fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen.

Könnte ja sein, dass die Netzbetreiber irgendwann festlegen, dass z. b. ab 2030 alle neuen Kraftwerke (inklusive Akkus) ab 1 MW Leistung netzbildend sein müssen. Da das Nachfragevolumen dann ungefähr vorherzusehen ist, werden die Dinger rechtzeitig gefertigt und Rahmenbedingungen auf Basis der Technik Gestaltet. Ist ja häufig so, dass es Vorgaben mit zukübftigem Stichtag gibt, die ohne technische Neuentwicklungen gar nicht umsetzbar wären. Meistens ist die technische Entwicklung wegen der klaren Vorgaben auch recht schnell. Z. B. Wurde schon 2017 festgesetzt, dass demnâchst alle Kläranlagen ab einer bestimmten Größe einen hohen Anteil des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors zurückgewinnen müssen. Damals gab es zur Rückgewinnung aus Asche/Klärschlamm höchstens ein paar Ideen aus den Unis aber keine wirtschaftlich umsetzbaren Konzepte für die realen Anforderungen der Abfallwirtschaft. Derzeit gibt es aber die ersten Pilotprojete und die flächendeckende Umsetzung müsste dann ab 2029 erfolgen. Bin immer wieder überrascht, wie schnell sowas gehen kann, wenn Planungssicherheit und konkrete Vorgaben gesichert sind.

Und solche Themen finde ich insgesamt spannend. Ein anderes Beispiel: Die Bahn hat/hatte lange das Problem, nicht 100% garantieren zu können, dass ein Zug einen Bereich verlassen hat und vollständig ist - also keinen Wagen verloren hat. Das klingt so einfach und trotzdem gab es da lange keine praktikable Lösung für.

Lol

[–] DrunkenPirate@feddit.org 3 points 6 days ago (2 children)

Ich glaube, das Hauptsrgument gegen unkontrollierte netzbildende WR sind Stromnetzreparaturen. Da kann man dann nicht mehr so einfach Strom abstellen für die Arbeiten. Im schlimmsten Falle drückt da aus einer Ecke ein WR seinen Strom rein und das kann dann lebensgefährlich für den Elektriker werden.

[–] Imke@feddit.org 3 points 6 days ago

Genau, das gilt ja auch für sämtliche netzbildende Generatoren... Bei den privaten PV-Anlagen gab es dann immer den automatischen Netztrennschalter. Sollte aber technisch eigentlich kein Problem sein, diesen zentral gesteuert wieder zu deaktivieren beim Netzwiederaufbau. Vielleicht nicht mit dem derzeitigen Aufbau, aber z.B. bei der Notdrosselung der Wechselrichter bei Netzüberlastung über Smartmeter wird ja derzeit auch schon viel gemacht, auch bei Wallboxen und anderen großen Verbrauchern (bei Verbrauchern dann umgekehrt wenn die Netzfrequenz zu niedrig ist). Die Vorbereitung dieser Techniken im Sicherungskasten ist auch verpflichtend ab einer bestimmten Leistung soweit ich weiß.

[–] PreppaWuzz@discuss.tchncs.de 2 points 6 days ago

Bei Insel-Wechselrichter im privaten Bereich werden Netztrennschalter mit installiert, die das interne Netz automatisch vom öffentlichen Netz trennen, wenn der Wechselrichter in den Ersatzstrom-Modus geht, weil das öffentlich Netz ausgefallen ist. Wäre anders auch dämlich, denn man will in dem Fall ja den erzeugten Strom im Haus selbst nutzen und nicht ins öffentliche Netz vergeuden.

Zentrale Komponenten, die direkt für die Netzstabilität eingesetzt werden, werden eine entsprechende Steuerung haben, die in solchen Reparatur- und Wartungsfällen wirklich abschaltet.