Wenn man sich in Erinnerung ruft wie Maja schnell noch in einer Nacht und Nebel Aktion nach Ungarn verschleppt wurde um dort größtmögliche Repression zu erfahren könnte man schon auf den Gedanken kommen dass hier gern mit zweierlei Maß gemessen wird.
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Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat
Weil der Verfassungsschutz den NSU mitaufgebaut hat
Weil die Polizei doch selbst immer durchsetzt von Nazis war
Weil sie Oury Jalloh gefesselt und angezündet hab'n
Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst
Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz
– Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
Warum ist dieses Lied immer wieder so wahr :(
Bezeichnend, dass erst einer aus den eigenen Reihen angegriffen werden musste, bevor die Bullerei tatsächlich etwas unternimmt und der Justizapparat ins Rollen kommt.
Den Prozessausgang kommentiert Andreas N. nüchtern. Er sei realistisch: „Welche Strafe soll denn die Haltung des Haupttäters ändern?“
Ich denke DAS ist der Punkt an dem man ansetzen könnte: Solche Menschen wie den Täter gehören vielleicht nicht unbedingt ins Gefängnis, sondern eher in stationäre psychiatrische Behandlung.
Nein. Ein rechtsextremes Weltbild ist keine Krankheit, auch trotz beliebter Metaphern wie "gesellschaftliches Krebsgeschwür". Du kannst sowas nicht pathologisieren.
auch trotz beliebter Metaphern wie "gesellschaftliches Krebsgeschwür".
Das Problem bei Metaphern ist, dass sie immer irgendwo Grenzen haben. Sie modellieren einen Teil des Sachverhalts – hier: die Art um sich zu greifen, wenn nicht behandelt, und die Schwierigkeit der Behandlung ohne Kollateralschaden – aber können nie alles abdecken.
Es ist eben keine wortwörtliche medizinische Krankheit, sondern ein soziales Problem, das entsprechend auch nicht medizinisch angegangen werden kann sondern soziale Lösungen braucht, die eben auch nicht auf individueller Eben ansetzen wie eine (Chemo-/Psycho-)Therapie sondern Grundhaltungen und die Probleme, die ihr als Brutstätte und Nährboden dienen.
Jo, genau das. Und deswegen finde ich den Ansatz, den kptn_o und rbn hier fahren, so problematisch.
Du kannst sowas nicht pathologisieren
Mal ganz stumpf zurück gefragt: Warum eigentlich nicht? Ist ein irrationaler Hass auf Menschen anderen Aussehens / anderer Herkunft / Geschlechtsidentität / etc. "geistig gesund"? Und sogar wenn man so etwas in das "normale" Spektrum einsortieren würde, ein Verhalten wie das des Täters deutet doch definitiv auf eine fehlerhafte Sozialisierung hin...
Weil schlechte Sozialisierung keine Krankheit ist. Weil nicht alles, was von der wahrgenommenen Norm abweicht, eine Krankheit ist.
Außerdem sorgt eine Pathologisierung von problematischen Weltanschauungen nicht dafür, dass man diese problematischen Weltanschauungen gesellschaftlich angeht, sondern führt lediglich zu weiterer Stigmatisierung und Pathologisierung psychischer Krankheiten und anderer Abweichungen der wahrgenommenen Norm wie Neurodivergenz, trans Identitäten, nonhetero Sexualitäten, usw.
Weil schlechte Sozialisierung keine Krankheit ist.
Meiner Meinung nach kann man aber nur mit Therapie oder therapieähnlichen Mitteln aus Menschen, die wegen schlechter Sozialisierung zu Straftätern geworden sind, wieder resozialisieren.
Wenn du jemanden mit einem hasserfüllten Weltbild einfach nur ins Gefängnis steckst ohne intensive psychologische Betreuung, so wirst du irgendwann eine ältere Person mit demselben hasserfüllten Weltbild wieder entlassen. Und (echte) lebenslange Haft, um die restliche Gesellschaft vor solchen Menschen zu schützen, kann ja auch nicht die Lösung sein.
Ja, da hast du selbstverständlich Recht. Natürlich muss es im Gefängnis dann auch entsprechende Resozialisierungsprogramme geben. Aber das ist nichtsdestotrotz etwas völlig anderes als eine stationäre psychiatrische Behandlung und Weltanschauungen sind keine psychischen Erkrankungen.
Weltanschauungen sind keine psychischen Erkrankungen.
Der Übergang zu z.B. sowas... https://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziale_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung ... dürfte aber trotzdem in vielen Fällen fließend sein.
Die antisoziale Persönlichkeit macht sich meist schon im Kindes- und Jugendalter durch Missachtung von Regeln und Normen bemerkbar (z. B. Schulschwänzen, Vandalismus, Fortlaufen von Zuhause, Stehlen, häufiges Lügen) sowie durch die Unfähigkeit zu sozialem Lernen aus Erfahrungen. Wenn das Verhalten vor dem 10. Lebensjahr beginnt, entwickelt sich diese Persönlichkeitsstörung meist aus einer chronischen Störung des Sozialverhaltens. Im Erwachsenenalter führen Betroffene ihr Verhalten oft fort und fallen häufig durch nur zeitweiliges Arbeiten, Gesetzesübertretungen, Gereiztheit und körperlich aggressives Verhalten, Nichtbezahlen von Schulden, Rücksichtslosigkeit und teilweise auch durch Rauschmittelkonsum auf. Nicht selten kommen sie deshalb ins Gefängnis.
Ob man betroffene Täter jetzt in einer geschlossenen Psychiatrie oder einem Gefängnis mit intensiver psychologischer Betreuung unterbringt, ist für mich eher eine Frage des Schwerpunktes. In der Praxis dürfte es aber in normalen Gefängnissen viel zu wenig entsprechende Angebote geben und in Psychiatrien viel zu wenige Plätze, als dass man alle dort unterbringen könnte. Das Problem lösen würde es also vermutlich leider nicht. Egal, ob es jetzt als Krankheit gälte oder nicht.
Nein, man. Die Grenzen sind nicht fließend. Problematische Weltanschauungen können natürlich mit Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen einhergehen, und dann müssen die entsprechend behandelt werden. Du kannst aber deswegen keine Rückschlüsse von Weltanschauungen auf Krankheiten oder Persönlichkeitsstörungen ziehen. Das wäre, wenn man das täte, wiederum hochproblematisch, wie oben schon erklärt.
Meiner Meinung nach kann man aber nur mit Therapie oder therapieähnlichen Mitteln aus Menschen, die wegen schlechter Sozialisierung zu Straftätern geworden sind, wieder resozialisieren.
Therapie wirkt nur, wenn intrinsische Motivation sich zu ändern vorhanden ist. Wenn du Menschen gegen ihren Willen "therapierst", ist das "Umerziehung" und kennt man so eigentlich nur aus extremst autokratischen Systemen, wie China, Russland oder Nazi-Deutschland.
Angebote machen - ja gerne, gibt es ja auch schon einige. Jeder Mensch der die Hilfe bekommt, die er braucht, ist ein Gewinn für die Gesellschaft.
Was du hier vorschlägst, ist Leute in Lager zu stecken bis sie die "richtige" Weltanschauung äußern. Das hat in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft nichts verloren.
Was du hier vorschlägst, ist Leute in Lager zu stecken bis sie die "richtige" Weltanschauung äußern. Das hat in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft nichts verloren.
Ist das nicht im Grunde auch bei Gefängnissen so? Die Leute werden gegen ihren Willen eingesperrt, um ihnen Zeit zum Nachdenken und Betreuungsangebote zu geben, bis sie ihr Fehlverhalten erkennen und ablegen.
Ein Umerziehungslager kommt dem ziemlich nah, da gebe ich dir recht. Der ich würde sagen, der Kernunterschied zu einem "freiheitlich-demokratischen" Gefängnis besteht darin, dass die Tatbestände und Strafen demokratisch legitimiert sind. Also dass nicht eine kleine Elite bestimmt, was Recht und was Unrecht ist, sondern (i.d.R. mittelbar durch ein gewähltes Gremium) die Gesellschaft selbst.
Ist das nicht im Grunde auch bei Gefängnissen so? Die Leute werden gegen ihren Willen eingesperrt, [...] bis sie ihr Fehlverhalten erkennen und ablegen.
Nein das ist nicht im Grunde so. Ein Strafmaß richtet sich nach der Schwere der Tat. Nur sind Richter während der Findung des Strafmaßes dazu angehalten alle Auswirkungen auf den Täter zu berücksichtigen, nicht nur die im Gesetz festgehaltene Strafe. Lebenslang zu wissen, dass man etwas Falsches getan hat, gilt als Teil der Strafe, wodurch man u.U. durch das Zeigen von Reue die Gefängnisstrafe verkürzen kann. Die Schwere der Strafe für eine Tat bleibt jedoch gleich, unabhängig davon ob man sein Fehlverhalten einsieht oder nicht (zumindest theoretisch).
Ein Umerziehungslager kommt dem ziemlich nah, da gebe ich dir recht. Der ich würde sagen, der Kernunterschied zu einem "freiheitlich-demokratischen" Gefängnis besteht darin, dass die Tatbestände und Strafen demokratisch legitimiert sind. Also dass nicht eine kleine Elite bestimmt, was Recht und was Unrecht ist, sondern (i.d.R. mittelbar durch ein gewähltes Gremium) die Gesellschaft selbst.
Wat? Die Beurteilung, ob es sich um ein Gefängnis oder um ein Umerziehungslager handelt, lediglich an der Staatsform festzumachen ist schon ein wilder Take.
Die Schwere der Strafe für eine Tat bleibt jedoch gleich, unabhängig davon ob man sein Fehlverhalten einsieht oder nicht
Wenn du wegen Körperverletzung im Gefängnis sitzt und während oder nach deiner Haft rückfällig wirst, stehen die Chancen gut, dass deine Haft immer wieder verlängert wird. Entweder bis dich die Erleuchtung packt und du es wirklich einsiehst oder weil du die Konsequenzen fürchtest. Finde schon, dass man das als Umerziehung bezeichnen kann.
Gefängnis oder um ein Umerziehungslager handelt, lediglich an der Staatsform festzumachen ist schon ein wilder Take
In erster Linie würde ich sagen, dass der Begriff Umerziehungslager ein sehr abwertender Ausdruck ist, um einen Ort mit Gefangenen zu bezeichnen, den man für illegitim hält. Für mich kann Legitimität bspw. durch ein demokratisch festgelegtes Regelwerk und eine getreu dieses Regelwerks agierende Judikative und Exekutive hergestellt werden.
Ich weiß nicht, ob es eine offizielle Definition oder Abgrenzung gibt. Was wäre denn aus deiner Sicht ein gutes Merkmal?