this post was submitted on 21 Apr 2026
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[–] Hond@piefed.social 23 points 1 day ago* (last edited 1 day ago) (2 children)

Ja, darauf wollte ich hinaus.

Ich will ganz sicher nicht den deutschen Michel, der kiloweise billigstes Neonfleisch auf den Grill schmeißt von seinen problematischen Handlungen freisprechen. Aber systemische Probleme auf den Endverbraucher und Individuen abwälzen ist doch klassische Propaganda wie sie die Ölindustrie seit über einem halben Jahrhundert anwendet. Die Verantwortung beginnt eben NICHT an der Supermarktkasse. Das Problem beginnt in den raffgierigen multinationalen Großkonzernen. Was soll denn passieren wenn tatsächlich die große Mehrheit kein Billigfleisch mehr kauft? Durch reinen Glauben an das Gute bzw Magie verbessern sich die Arbeitsbedingungen? Sichi Geschwistis. Wir reden hier doch nicht von lokalen Handwerksbetrieben, denen man einen Rest von Anstand zusprechen kann. Aber selbst da trifft es nicht zwingend zu. Unser pReMiuM Metzger in der Gegend wo alle Tiere sanft totgestreichelt werden(dieses überspitzte Framing trifft sicherlich auch auf einen in eurer Gegend zu) war vor paar Jahren auch in einen riesen Skandal verwickelt weil der Schlachtbetrieb von dem bezogen wurde eben Scheiße gebaut hat. Aber man hat ja von Nichts gewusst! Obwohl man selbst zufällig auch im Vorstand tätig ist.

[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de 7 points 1 day ago (1 children)

Ja, du hast recht damit, dass Verantwortung nicht an der Kasse anfängt. Nichtsdestoweniger ist es beim Fleischkonsum für die meisten Menschen sehr einfach, Konsequenzen zu ziehen und die schlechten Arbeitsbedingungen, das Tierleid und die Folgen für die Umwelt nicht mehr mitzuverursachen, indem man die Nachfrage senkt.
Es ist nicht so, dass man wie bei Kleidung oder Kommunikationsmitteln drauf angewiesen ist, wenn man nicht ein Leben außerhalb der Gesellschaft führen will. Man kann ziemlich einfach kein Fleisch mehr konsumieren und dabei konsequent bleiben, ohne sich gewaltig umstellen zu müssen.

[–] Hond@piefed.social 5 points 1 day ago* (last edited 1 day ago) (1 children)

Korrekt. Gegen Konsum einstellen oder zumindestens rapide senken argumentier ich garnicht. Aber darum gehts in dem Artikel ja nichtmal. Da gehts um Verantwortungsumkehr und die Mär, dass man durch bewusste Konsumentscheidungen innerhalb einer Produktkategorie kapitalistische Mechanismen positiv beeinflussen könnte. Das stößt mir einfach dermaßen auf. Anstatt mal die Dinge beim Namen zu nennen. Natürlich hilft es Bewusstsein zu schaffen, langsam in die Breite zu arbeiten um darauf aufbauend politischen Druck ausüben zu können. Aber so wird ja nicht argumentiert. Mehr so: Wenn du 5 bis 15€ mehr die Woche für Fleisch ausgibst behandeln Großkonzerne ihre Arbeiter besser. lol

Genau. Konzerne behandeln ihre Arbeiter nur genau dann besser, wenn sie dazu gezwungen werden. Diejenigen, die sie am einfachsten dazu zwingen könnten, halten aber lieber die Hand auf. Und die Möglichkeiten der Betroffenen selbst sind dank derer, die die Hand aufhalten, sehr beschränkt.

[–] luciferofastora@feddit.org 1 points 1 day ago

Ich will ganz sicher nicht den deutschen Michel, der kiloweise billigstes Neonfleisch auf den Grill schmeißt von seinen problematischen Handlungen freisprechen.

Von den kulinarischen Verbrechen mal ganz zu schweigen...

Selbst Bio und regional kaufen (wie ich das tu) macht mich nicht zum Heiligen. Wenigstens zwingt mich "Fleisch ist teuer" zum seltener Fleisch essen, wenn auch meine Willenskraft (noch) nicht reicht, das komplett loszuwerden.

Aber systemische Probleme auf den Endverbraucher und Individuen abwälzen ist doch klassische Propaganda wie sie die Ölindustrie seit über einem halben Jahrhundert anwendet. Die Verantwortung beginnt eben NICHT an der Supermarktkasse. Das Problem beginnt in den raffgierigen multinationalen Großkonzernen.

Eben. Wenn es keinen ethischen Konsum im Kapitalismus geben kann, ist "konsumier halt gar nichts" für die meisten keine Option. Wir sind zu großen Teilen abhängig vom System, was keiner von uns einzeln geschaffen hat und wir auch nicht in Einzelarbeit wegbekommen werden.

Was soll denn passieren wenn tatsächlich die große Mehrheit kein Billigfleisch mehr kauft?

Je nachdem, wohin sie ausweicht, werden die Konzerne eben nachziehen: Wenn wir alle auf Bio gehen, werden sie einen Weg finden, das auf Masse zu skalieren, die Anforderungen herabzuwässern und die Marge einstreichen. Wenn wir zu veganen Alternativen wechseln (wo sie sich ja eh schon dagegen wehren und Klagen wegen Bezeichnungen für Wurst und Milch vom Zaun brechen), müssen sie halt da eine Möglichkeit finden, dass in Massen billig zu produzieren.

Durch reinen Glauben an das Gute bzw Magie verbessern sich die Arbeitsbedingungen?

Durch öffentlichen Druck ließe sich doch sicherlich was erreichen... bis man es schafft, den öffentlichen Druck abzulenken oder zu beschwichtigen. Idealerweise gelingt das, bevor man die vagen Versprechen auch nur dem Schein nach umsetzen muss. Bis die Leute blicken, dass da nie was kommen wird, sind sie hoffentlich schon so zynisch und mit anderen Sorgen beschäftigt, dass es auch egal ist.

Wir reden hier doch nicht von lokalen Handwerksbetrieben, denen man einen Rest von Anstand zusprechen kann. Aber selbst da trifft es nicht zwingend zu.

Der Unterschied zwischen Kapitalgesellschaften und kleinen Betrieben ist, dass es bei letzteren nicht zwingend zutrifft; bei ersteren zwingend nicht. Bei den Handwerksbetrieben kann man wenigstens die Chefs verantwortlich machen, aber bei Konzernen ist der Vorstand ja gegenüber den Anteilseignern verpflichtet, Profit über Moral zu setzen, wenn die nicht gerade gegenteiliges beschließen. Wenn sie aber wiederum Kapitalgesellschaften mit Profitverpflichtung sind, sind die eigentlichen Menschen irgendwann so weit von den tatsächlichen Entscheidungen entfernt, dass sie gar nicht direkt daran teilhaben können.

Was bleibt ist ein intransparentes System aus den obengenannten Konzernen, bei dem kein einzelner effektiv Einfluss darauf nehmen kann, wie gierig sie sind.

Aber man hat ja von Nichts gewusst! Obwohl man selbst zufällig auch im Vorstand tätig ist.

Weißt du, wie viele Berichte die am Tag zu überfliegen haben? Wenn es nicht in Zahlen ausgedrückt ist, die man rot oder grün markiert, sehen die das doch nicht...

(Und wenn doch, dann würfeln sie aus, wer dafür zuständig ist, die roten Zahlen grün zu machen.)